Jubiläumsfest

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Große Feier zum Jubiläum der Schneller-Schulen

Aus dem Libanon und den USA, aus allen Teilen Deutschlands waren die Gäste angereist. Manche hatten sich per Videobotschaft aus Kanada oder Jordanien zugeschaltet, um in Stuttgart 150 Jahre der arabisch-schwäbischen Schneller-Erfolgsgeschichte unter dem Motto „Frieden Leben Lernen“ zu feiern.
Viele hundert Menschen waren am 14. November nach Stuttgart gekommen, um gemeinsam unter dem Motto „Frieden Leben Lernen“ die erfolgreiche Entwicklung der Schneller Schulen zu feiern. Im Jahr 1860 gründete der schwäbische Lehrer Johann Ludwig Schneller aus Erpfingen auf der Schwäbischen Alb das Syrische Waisenhaus in Jerusalem, aus dem die beiden Schneller-Schulen im Libanon und in Jordanien hervorgingen. Sie zählen heute zu den fortschrittlichsten pädagogischen Einrichtungen des Nahen Ostens.

Hoffnungsprojekt

Beim Festgottesdienst in der voll besetzten Stuttgarter Stiftskirche
bezeichnete der württembergische Landesbischof Frank Otfried July die Schneller-Schulen als „Hoffnungsprojekt“: Mitten in unserer Sehnsucht nach Frieden macht es uns Mut, neu anzupacken und Pfeiler und Brücken zu bauen, damit Leben geschützt und Frieden bewahrt wird“, sagte er. Eine kenntnisreich konzipierte Wanderausstellung illustrierte im Untergeschoss der Stiftskirche Hintergründe und Entwicklung des ehemaligen Syrischen Waisenhauses und der Schneller-Schulen.
Zum Festakt im Stuttgarter Rathaus kamen fast 500 Gäste, darunter zahlreiche ehemalige Schüler der Schneller-Schulen aus aller Welt, Freiwillige, die einmal ein Jahr an einer der Schulen mitgearbeitet haben, Mitglieder der Großfamilie Schneller, sowie viele Freunde und Förderer. Die zahlreichen Grußworte machten deutlich, welche Bedeutung die pädagogische Arbeit der Schulen hat und welche Wertschätzung sie genießt.

Entwicklung auf allen Seiten

Oberkirchenrat Jens Nieper vom Kirchenamt der EKD und Mitglied der Evangelischen Mittelostkommission betonte, dass durch die Schneller-Schulen auch die Situation der Christen im Nahen Osten bei uns stärker wahrgenommen würde. „Schneller im Libanon und in Jordanien hilft uns, dass wir uns als Evangelische Kirche in Deutschland entwickeln“, sagte Nieper.
Habib Badr, leitender Pfarrer der Nationalen Evangelischen Kirche in Beirut, der örtlichen Trägerkirche der Johann-Ludwig-Schneller-Schule, war mit sechs Mitgliedern seiner Kirche aus dem Libanon angereist. „Ohne das Engagement sehr vieler Menschen wäre diese Arbeit nicht möglich. An einem Tag wie heute gebührt aber vor allem Gott Dank für all das, was in den letzten 150 Jahren geleistet werden konnte“, sagte Badr.  

Vorbildliche Initiative

Für Bernhard Dinkelaker, Generalsekretär der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS), ist der Evangelische Verein für die Schneller-Schulen mit seiner Stiftung und seinem großen Netzwerk an Unterstützern in ganz Deutschland ein unverzichtbarer Bestandteil der EMS. „Die Schneller-Schulen stehen für den Dienst an Kindern, die sonst keine Chance hätten, und für ein vorbildliches Miteinander von Christen und Muslimen“, sagte Dinkelaker.
Martin Schneller, Urenkel des Gründervaters Johann Ludwig Schneller und Vorsitzender des Kuratoriums der SCHNELLER-STIFTUNG – ERZIEHUNG ZUM FRIEDEN, wies darauf hin, dass es nicht selbstverständlich ist, dass die Schneller-Schulen 20. Jahrhundert überhaupt überlebt haben. Schließlich werde es von Historikern als das Jahrhundert der Extreme bezeichnet. „Dank gebührt auch all jenen Regierungen und Gesellschaften der beiden Länder, in denen die Schneller-Schulen beheimatet sind. Es ist die Aufgabe aller Beteiligten, diese Wertschätzung zu erhalten“, sagte Schneller.

Videobotschaften

Am Nachmittag kamen bei einem facettenreichen Programm über die Arbeit der Schulen auch die zu Wort, die nicht nach Stuttgart kommen konnten. George Haddad, Direktor der Johann-Ludwig-Schneller-Schule, dankte via Videobotschaft allen Unterstützern für ihre Hilfe und wies darauf hin, heute nicht mehr nur Waisen in den Schneller-Schulen lebten, sondern zunehmend auch Kinder aus Familien, die sich nicht mehr um sie kümmern könnten oder wollten. Die Theodor-Schneller-Schule in Amman grüßte mit einem jordanischen Volkstanz, bei dem zum ersten Mal auch Schülerinnen aus dem erst in diesem Sommer eröffneten Mädchenwohnheim zu sehen waren.
Wie prägend die Kindheit und Jugend an einer Schneller-Schule sein kann, zeigte sich im Interview mit Samir Akel, einem ehemaligen Schüler der Johann-Ludwig-Schneller-Schule. Als Professor für Pädagogik hat er in Deutschland das Fach interkulturelle Pädagogik eingeführt. „Pädagogen müssen sich für den Frieden einsetzen, indem sie aufklären“, sagte er im Interview mit Heike Bosien, die durch den Nachmittag führte. Das gelte für den Nahen Osten genauso wie für Deutschland.  
Auch Yeghia Yeghiayan betonte, dass er ohne die Schneller-Arbeit nicht das geworden wäre, was er ist. Der 91-Jährige ist einer der ältesten noch lebenden ehemaligen Zöglinge des Syrischen Waisenhauses und lebt heute bei Montreal. In hervorragendem Deutsch schickte er sein Grußwort per Videobotschaft aus Kanada.

Friedenswünsche

Als Zeichen der Verbundenheit mit den Schülerinnen und Schülern im Libanon und in Jordanien brachten 45 Kinder der Johann-Ludwig-Schneller-Grundschule in Erpfingen selbstgebastelte Friedenstauben mit und verteilten sie im Publikum. Aus ihren Friedenswünschen war deutlich herauszuhören, wie stark das Thema Frieden auch sie bewegt. Eine musikalische Brücke zwischen Deutschland und dem Nahen Osten schlugen Oliver und Tom Schneller, Ururenkel von Johann Ludwig Schneller, die eigens eine Kinderoper für die  Schneller-Schulen komponiert hatten. In seiner Einführung betonte Oliver Schneller, welch wichtige Rolle die Musik bereits im Syrischen Waisenhaus gespielt habe. Bei der Komposition hätten sie sich an den musikalischen Möglichkeiten der Kinder vor Ort orientiert und vor allem Schlag- und Blasinstrumente, ein Klavier und natürlich viele Sänger mit einbezogen. Heather O’Donnell-Schneller, seine Frau, spielte Teile aus der Oper auf dem Klavier. 

TSS-Direktor wird Abgeordneter

Nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen konnte Ghazi Musharbash, Direktor der Theodor-Schneller-Schule. Er war in der Woche vor dem Jubiläum zum Mitglied des jordanischen Parlaments gewählt worden war. Der ehemalige Schneller-Schüler und erfolgreiche Unternehmer hatte vor zwei Jahren mit 66 Jahren die Leitung der Schule übernommen und seither zahlreiche Neuerungen auf den Weg gebracht. Als einer von wenigen Christen unter den moslemischen Abgeordneten im höchsten jordanischen Regierungsgremium möchte Musharbash seine vielfältigen Kontakte, unter anderem als ehemaliger Präsident des RotaryClubs in Amman und Mitglied verschiedener diözesaner Gremien der anglikanischen Kirche in Jerusalem und dem Nahen Osten wie etwa als Delegierter im Anglikanischen Konsultativ-Rat (Anglican Consultative Council ACC), dem höchsten weltweiten Gremium der anglikanischen Kirche, auch für die weitere Entwicklung der Schneller-Schulen einbringen. Mit einer Videobotschaft aus Amman überbrachte er im Kreis seiner Schülerinnen und Schüler Grüße an die Festversammlung.

Downloads und Links

    EMS-Festjahr 2012

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    09.03.2012, Stuttgart
    Terminänderung: Indonesien-Partnerschaftsseminar

    Nicht wie geplant im März, sondern im November mehr

    12.03.2012, Stuttgart
    "Israels Politik und das Schweigen der Christen"

    Veranstaltung mit dem Psychologen und amerikanischen Juden Mark Braverman mehr

    17.03.2012, Hessen
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