Japan

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Mira Sonntag hat bis 2010 als Ökumenische Mitarbeitende in Japan gearbeitet. Hier schildert sie ihre Sicht von Mission.

Fremdheit und Verbundenheit

Vor dreizehn Jahren kam ich, dem fremden Zauber folgend, erstmals nach Japan. Seither ist mir Japan in verschiedensten Erfahrungen mit verschiedensten „Gesichtern“ begegnet. 2005 gab mir nun mein Stellenantritt im Dienste des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS) Gelegenheit, nicht nur mein Verhältnis zu Japan, sondern auch meinen Glauben erneut zu überdenken.
Sozusagen über Nacht wurde ich Missionarin. Was verbindet sich nicht alles mit dem Namen „Missionar“? Doch der Titel der „Missionarin“ beschränkt sich nur auf die japanischsprachige Welt. Auf Deutsch wurde ich „Ökumenische Mitarbeiterin“, in der Abkürzung ÖMA. Diese Bezeichnung klingt nicht nur bescheidener, sie spiegelt auch ein neues Verständnis von Mission an sich. Diesem Verständnis zufolge bin ich als ÖMA nur eine von Vielen, die sich um die weltweite Einheit der Christen bemühen. Im Juli nahm ich an einem speziellen Trainingskurs für ÖMAs teil. Im Folgenden möchte ich darüber berichten, wie dieser Kurs meine Vorstellung von der Rolle von Missionaren verändert hat.

Impressionen aus Japan

ZoomGebetstafeln
ZoomTypisch japanisch

Gesicht der Verbundenheit

Das EMS ist eins von neun Missionswerken, die in den siebziger Jahren durch die Wiederzusammenführung von Kirchen und Missionsvereinen entstanden sind. Es besteht aus sechs deutschen Landeskirchen, vier deutschen Missionsgesellschaften und unterhält Partnerschaften mit siebzehn Kirchen aus Afrika und Asien. Im Gegensatz zur Mehrzahl der Missionsvereine, die die Entsendung von Missionaren längst aufgegeben haben und nur noch bares Geld schicken, entsendet das EMS auch heute noch Missionare (ÖMA). Freilich nehmen sich die vierzehn Entsendeten im Vergleich zu circa fünfzig Angestellten in der EMS-Geschäftsstelle in Stuttgart relativ geringfügig aus. In der Tat könnten je nach Einsatzgebiet vom Gehalt eines ÖMA auch zwei bis drei ortsansässige Mitarbeiter finanziert werden. Aber im Verständnis des EMS kommt Mission nicht aus ohne das „Charisma der Fremdheit“ und das „Gesicht der Verbundenheit“, die den/die ÖMA charakterisieren.

Mission als Austausch

Bevor diese beiden Schlagwörter erklärt werden können, ist es wichtig, die gegenwärtige Bedeutung von „Mission“ zu verstehen. Viele Menschen stellen sich nach wie vor unter einem „Missionar“ einen Westler vor, der das Christentum „mit der Muttermilch aufgesogen“ hat und dann als Akteur in der „äußeren Mission“ in heidnische Gebiete reist und dort Andersgläubige zum Christentum bekehrt. Mit dieser einer „Einbahnstraße“ vergleichbaren Denkweise hat das EMS von Anfang an gebrochen und sich statt dessen unter dem Motto „weitergeben, was wir empfangen haben“ für Mission im Sinne einer „Zweibahnstraße“ engagiert. Doch enthielt auch dieses Modell unweigerlich eine reichliche Portion Eurozentrismus insofern, als die Zentrale der Welt der Mission weiterhin in Europa lag. Vor diesem Hintergrund setzte sich im EMS unter dem Einfluss der Theologie von „Mission Gottes“ (missio dei) in den neunziger Jahren ein Verständis von Mission als „gemeinsamem Zeugnis“ durch. Dabei geht es weniger darum, „Christentum zu lehren“ als vielmehr das „gemeinsame Bezeugen“ der Mission Gottes an den Menschen miteinander in der Ökumene zu lernen, d.h. es geht ums ökumenische Lernen. In der Folge dieses Umdenkens wurde auch die Struktur des EMS geändert, so dass Mitglieder und Partner des EMS heute gleichermaßen an der Planung und Konzeption beteiligt sind. Auch die gegenwärtigen Projekte berücksichtigen nicht die Bedürfnisse einer einzelnen Kirche allein, sondern richten sich soweit als möglich nach den Befürfnissen von Christen weltweit, für die die Mitglieder und Partner des EMS stellvertretend stehen.

ZoomKirschblüte in Japan
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Gemeinsames Zeugnis

Im globalen Netzwerk von Christen, die gemeinsam das Bekenntnis des Herrn Jesus Christus lernen, erfüllt der/die ÖMA vor allem zwei Funktionen. Heutzutage ist es zwar durch Telefon und Internet einfacher geworden, mit Menschen aus aller Welt in Verbindung zu treten, dennoch bleiben solche durch Medien vermittelten Kontakte äußerst punktuell. Doch so wie ganz allgemein der Lerneffekt nachlässt, je mehr sich das Lernen vom täglichen Leben entfernt, bedarf auch das ökumenische Lernen des „Zusammenlebens“. Das Gesicht des/der ÖMA macht auf alltäglicher Ebene immer wieder spürbar, dass das „gemeinsame Zeugnis“ allen Christinnen und Christen in der Welt aufgetragen ist. Auf der anderen Seite gibt die alltägliche Begegnung mit Christen aus anderem kulturellen Hintergrund Anlass, den eigenen Glauben, eigene Überzeugungen und Gewohnheiten neu zu hinterfragen. Diese Gelegenheit bietet sich um so mehr, je mehr die „Fremdheit“ des Anderen zum Vorschein kommt. Im Prozess der eigenen Horizonterweiterung und Vertiefung des christlichen Zeugnisses wird seine Fremdheit zu einem „Charisma“. Der/Die ÖMA wird seiner Fremdheit zwar zunächst während der Aussendung am meisten bewusst, doch läßt sich das Gleiche auch über seine Rolle nach der Rückkehr ins eigene Land sagen.

Verantwortung übernehmen

Seit meiner ersten Japanreise habe ich wenig darüber nachgedacht, wie fremd ich den Japanerinnen und Japanern wohl erscheinen mag. Vielmehr habe ich Japan und seine Bevölkerung als etwas Fremdes betrachtet, das mir Gelegenheit zum Überdenken des eigenen Standpunktes gibt. Meist gab ich mir auch Mühe, möglichst nicht aufzufallen. Doch im Rückblick sehe ich, dass ich durch diese Haltung vielleicht auch eine gute Chance vergeben habe. Auch bei einer zwischenzeitlichen Rückkehr nach Deutschland habe ich, um nicht aufzufallen, wenig von meinen Erfahrungen in Japan berichtet. Durch den Kurs des EMS ist mir nun meine Verantwortung als einzelne Christin in der Ökumene bewusst geworden. Ich hoffe, dass ich von nun an durch meine Fremdheit der Ökumene in Japan wie in Deutschland hilfreich sein kann.

EMS-Festjahr 2012

Termine

20.06.2012, Höchst/Odenwald
Tagung des provisorischen EMS-Missionsrats

Veranstaltung zum "EMS-Festjahr 2012" mehr

23.06.2012, Frankfurt/Main
EMS-„Tag der Begegnung“

Für Freunde, Förderer und EMS-Aktive . Mit Beiträgen von Pfarrer Dr. Habib Badr (Libanon), Kirchenpräsident Lennox Mcubusi (Südafrika), Bischof Wayan Sudira (Bali/Indonesien), Pfarrer SHIN Seung-Min (Korea) und weiteren EMS-Vertreterinnen und ... mehr

01.07.2012, Bad Sebastiansweiler
Missionsfest Basler Mission Deutscher Zweig

Thema: Gesundheitsarbeit in Afrika am Beispiel Ghanas mehr