Januar 2010
Albrecht und Hiltraut Link arbeiten seit Januar 2010 für das EMS in Indonesien. Hier schildern sie ihre Erfahrungen.
Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, bei Schnee und Eis, die nun das Land im Griff haben, an Ausreise in die Tropen zu denken. Unwirklich kommt es uns vor, wenn wir uns vorstellen, in zehn bis 14 Tagen schon nach Indonesien zu fliegen, doch dann ist es soweit.
Aufbruch in ein bekanntes, unbekanntes Land
Nach 30 Jahren reisen wir wieder in ein Land und einen Landstrich, der uns zur zweiten Heimat geworden ist und zu dessen Menschen wir immer Kontakt gehalten haben. Doch es hat sich seitdem viel verändert. Lebten wir damals im Südosten der Insel im Hinterland, so werden wir nun zu Großstädtern in Makassar auf der anderen Seite der Insel Sulawesi. Damals arbeiteten wir in der ländlichen Entwicklung, jetzt bilden wir Theologinnen und Theologen aus.Hiltraut und ich haben einen Lehrauftrag an der Theologischen Hochschule von Makassar. Wir fürchten die Hektik und den Lärm der Großstadt und hoffen, in unserem Haus auf dem Gelände der Hochschule einen einigermaßen ruhigen Platz zu bekommen.
Hiltraut arbeitet am Seminar im Bereich Kommunikation und Konfliktbearbeitung sowie in der Fort- und Weiterbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern. So jedenfalls schaut die Planung aus und Hiltraut ist gespannt, wie dann alles vor Ort aussehen wird. Ich werde Predigtlehre und Seelsorge unterrichten.
Da wir Sulawesi etwas kennen, ist uns der kulturelle Hintergrund nicht unbekannt und vielleicht sind früher gemachte Erfahrungen noch von Bedeutung. Doch auf der anderen Seite hat sich Indonesien in den vergangenen 30 Jahren tief greifender geändert als Europa/Deutschland. In mancherlei Hinsicht steht die hiesige Infrastruktur der in Europa in nichts nach. Hatten wir damals nicht einmal in der Stadt ein Telefon, so ist es heute mühelos möglich, vom Hinterland Kontakt mit der weiten Welt herzustellen. Heute surfen Studierende ebenso im Internet, stellen Bilder ins Facebook usw. wie ihre Kolleginnen und Kollegen in Europa. Das politische System hat sich geändert. Hinzu kommt der soziale Wandel, der auch vor der Kirche nicht Halt macht. Galt früher, was Alte und Autoritätspersonen sagten, so werden heute Personen wie Strukturen kritisch hinterfragt.
Dazulernen ist gefragt
Für uns wird das alles bedeuten, neu hinzuhören und sorgfältig zu studieren, was sich wie verändert hat und immer zu lernen, gerade, weil wir lehren sollen!
Unser Dekan im Fachbereich der praktischen Theologie stammt aus der GEPSULTRA, die Evangelische Kirche von Südostsulawesi, wo wir tätig waren. Sein Vater war Generalsekretär der Kirche und wir kennen ihn von klein auf. Er wird unser Chef sein, und wir sind gespannt, wie sich die Zusammenarbeit gestalten wird. Es ist schon ein Privileg, dass wir uns auf der einen Seite beruflich neu orientieren können, auf der anderen Seite freuen wir uns, die vielfältigen Erfahrungen in einer herausfordernden Arbeit einbringen zu dürfen. Hiltraut gibt ihre freiberufliche Tätigkeit als Supervisorin auf. Ich stehe als Pfarrer der württembergischen Landeskirche in Brot und Lohn und bin für drei Jahre freigestellt, in Makassar zu arbeiten. Wir werden vom Evangelischen Missionswerk in Südwestdeutschland (EMS) ausgesandt.
Wanderer zwischen den Welten
Wir brechen unsere Zelte hier ab, ziehen weiter, um sie auf der anderen Seite des Globus aufzubauen. Viele Stationen sind es in unserem Leben: die letzte von Erkenbrechtsweiler nach Stuttgart, dann auch die Auflösung der Interimswohnung, Weihnachten und Neujahr bei Hiltrauts Eltern in Ohlendorf, dann nach Eppingen zu Hiltrauts Schwester, bis wir dann den Abflug machen. Immer wieder fragen wir uns in den letzen Jahren, wo unsere Wurzeln liegen, wo unsere Heimat ist. Irgendwie sind wir Wanderer geblieben, unsere bisherige Lebensreise weist viele Stationen auf, wir ziehen weiter, schlagen neu Wurzeln. Darin erkennen wir einen großen Reichtum von Chancen, die sich uns immer wieder geboten haben. Diesmal reisen wir mit wenig Gepäck. Nur 200 Kilogramm werden es sein. Es hat gut getan, Ballast abzuwerfen und es ist gut, mit wenig zu reisen. Oft fragen wir uns: Brauchen wir dies oder jenes noch? Was würde sich wirklich verändern, wenn wir es nicht mehr hätten?
Vieles mussten wir neu regeln: von der neuen Bankverbindung über Patientenverfügung bis hin zum neu verfassten Testament – wir wissen um unsere Endlichkeit. Alle Regelungen haben neben der Arbeit, die sie natürlich auch verursacht haben, etwas Befreiendes gehabt. Was zählt auf der Lebensreise, so fragen wir uns. Etwas vom Wichtigsten, was in unserem Leben zählt, das sind Menschen, die uns lieben und wertschätzen und umgekehrt. So haben wir viele Verwandte und Freunde vor unserer Ausreise noch besucht. Wie sieht der Zeitplan nun aus? Nach unserer Ausreise werden wir zuerst nach Makassar kommen, uns mit dem Rektor, den Kolleginnen und Kollegen der Hochschule treffen und besprechen, was genau im neuen Semester alles auf uns zukommen wird. Zum Aufpolieren der Sprachkenntnisse geht es dann für mindestens zwei Monate nach Java. Vielleicht bleibt noch Zeit, einige andere theologischen Hochschulen zu besuchen, um ein Bild davon zu bekommen, was vor Ort läuft. Wir denken, dass wir im April/Mai in unser Haus in Makassar einziehen und dann in den Lehrbetrieb einsteigen. Wir gehen mit dem Wort der Jahreslosung in das neue Jahr 2010: „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Jesus hat es zu seinen Jüngern in der Situation der Veränderung gesprochen. Wir nehmen dieses Wort in unsere Veränderung mit hinein und wünschen, dass es uns und Euch/Ihnen Worte Mut macht und Gelassenheit schenkt.







