Ghana
Pfarrerin Norina Mutzek arbeitet für das EMS als Ökumenische Mitarbeiterin in Ghana. Hier schildert sie ihre Erfahrungen 2010.
September 2010
Mein erstes Jahr als ökumenische Mitarbeiterin in der Presbyterian Church of Ghana (PCG) liegt hinter mir. Im Head Office der PCG habe ich mehr und mehr meinen Platz gefunden, und die Arbeit in der Abteilung läuft erfreulich gut. Ich erfahre viel Hilfe und Unterstützung von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Pfrarrer Dr. Ayete-Nyampong wurde aus seinem Dienst als Direktor verabschiedet. Pfrarrer Dr. Sule-Saa ist nun neuer Direktor, Der Wechsel wird sicherlich viele Veränderungen mit sich bringen, und so sind wir alle gespannt, welche neuen Schwerpunkte er setzen wird und welche Entwicklungen zu erwarten sind.
Partnerschaftarbeit
Im ersten Jahr habe ich zunächst versucht, Kontakte zu den Partnerschaftsgruppen des EMS und der PCG aufzubauen. Besuche in den verschiedenen Presbyterien, Gespräche und Vorstellungsrunden in den Partnerschaftsgruppen, gemeinsame Planung von Partnerschaftsprogrammen ebenso wie Vorbereitung und Nachbereitung von Partnerschaftsreisen gehörten zu meinem Arbeitsalltag. Ebenso das Ausfüllen von Visa-Anträgen, Begleitung bei Interviews an der Deutschen Botschaft und die Beantwortung vieler Fragen, die mit der Partnerschaftsarbeit verbunden sind. Besonders interessant waren einzelne Begegnungen und gemeinsame Gottesdienste mit menschen aus Deutschland und Ghana, aber auch mit vielen internationalen Gästen.
Mir ist dabei aufgefallen, dass die Menschen, die sich in der Partnerschaftsarbeit engagieren, nicht nur Zeit und Geld investieren, sondern auch reich beschenkt werden. Sie bekommen neue Eindrücke, Erfahrungen und ein umfangreiches Bild vom Leben in beiden Ländern. Die gegenseitigen Besuche helfen, der Partnerschaftsarbeit „ein Gesicht“ zu geben. Bei den Treffen mit den Presbyterien waren die Finanzierung von Projekten, Partnerschaftsbesuche und damit verbunden Visaanträge wichtige Themen, aber auch die gemeinsamen Partnerschaftssonntage, gegenseitige Fürbitte und persönliche Kontakte zu Partnern hier und dort.
Aus der bisherigen Arbeit ergaben sich meine folgenden Anregungen:
Die Gruppen sollten, wenn möglich, nicht zu stark auf einzelne Personen bezogen sein.
Eine schriftliche Dokumentation der Partnerschaftsarbeit, Protokolle und Reiseberichte sind für die Kontinuität der Partnerschaftsarbeit wichtig.
Jeder und jede müsste die Chance zum Reisen bekommen. Mehrfache Reisen einzelner Personen sollten begründet werden.
Die Förderung längerer Aufenthalte ghanaischer Jugendlicher im Sinne eines Freiwilligendienstes in Deutschland (drei oder sechs Monate).
Austausch von deutschen und ghanaischen Pfarrerinnen und Pfarrern für einige Monate (Programme dieser Art gibt es bereits in der norddeutschen Mission).
Ökumenische Freiwillige
Neben der Partnerschaftsarbeit war die Arbeit mit den ökumenischen Freiwilligen aus Deutschland ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit.
Die erste Gruppe Freiwilliger ist inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt. Die zweite Gruppe (drei Frauen und drei Männer) ist im September in Accra angekommen. Die Erfahrung mit dem ersten Jahrgang zeigt, dass es trotz aller Selbstständigkeit der Freiwilligen wichtig ist, sie in verschiedenen Phasen ihres Aufenthalts zu begleiten. Von der Begrüßung am Flughafen und einer gemeinsamen Vorbereitung bis hin zum Abschiednehmen am Ende ihrer Zeit. Besuche in den Institutionen der Freiwilligen, Gespräche und Treffen mit den Direktoren und Mentoren gehören für mich genauso dazu, wie erste Orientierungen im Land, gemeinsame Durchführungen mit dem EED und Auswertungen über die Zeit hier in Ghana. Im Letzen Jahr ist es mir besonders wichtig gewesen, dass sich die Freiwilligen gut aufgenommen fühlten. Dazu gehörten für mich regelmäßige persönliche Kontakte, gemeinsame Treffen, gemeinsame Weihnachtsfeier (falls gewünscht!) und die Möglichkeit in dringenden Fällen Kontakt, aufnehmen zu können.
Beim zweiten Jahrgang haben wir erstmalig einen kulturellen und religiösen Einführungstag im Christaller Institut durchgeführt. Es gab einen Austausch mit Jugendmitarbeitern der PCG, die bereits in Deutschland waren und ihre Eindrücke vermittelten und zwar sowohl von ihrem Land als auch von Deutschland. Es ist zu hoffen, dass über die Arbeit in den Institutionen hinaus auch die Kontakte zu den Jugendmitarbeitern der PCG wachsen und die ökumenischen Freiwilligen Eindrücke vom Peaceprojekt erhalten.
Mitarbeit in Konferenzen und Ausschüssen
Im letzten Jahr konnte ich durch die Teilnahme an verschiedenen Konferenzen und Ausschüssen einen guten Einblick in die Arbeit der PCG bekommen. Ebenso war der Besuch von Schulen, Krankenhäusern, Kirchen und anderen Einrichtungen der PCG wichtig, um meinen Erfahrungshorizont zu erweitern. Die Teilnahme und Mitarbeit beim 9. und 10. General Assembly, Teilnahme und Mitarbeit bei der Internationalen Partnerkonsultation, der Afrikakonferenz und vieles mehr halfen mir, Haltungen und Meinungen innerhalb der PCG zu religiösen, ethischen und politischen Fragen besser zu verstehen, aber auch um mich mit Partnern und Partnerinnen aus Afrika und Übersee auszutauschen. Viele Probleme, vor allen Dingen, was die Auswirkungen der Globalisierung angehen, scheinen unterschiedlich gelagert zu sein. Doch gibt es trotz aller Verschiedenheit viele Gemeinsamkeiten. Was mich hier in Ghana immer wieder fasziniert, ist die religiöse Vielfalt und die Art und Weise, in der christlicher Glaube in den Alltag integriert ist. Trotz allem bleibt für mich, was die Verkündigung angeht, gerade in Hinblick auf ein dualistisches Weltbild, der hiesigen Presbyterianer, manche Frage offen.
Arbeit in der deutschsprachigen Gemeinde
Die deutschsprachige Gemeinde in Accra ist eine relativ kleine Gemeinde. Auch wenn es in der Advents- und Weihnachtszeit bis zu 60 Gottesdienstbesucher gibt, so zählen doch die Gottesdienste im Durchschnitt zwischen 15 und 20 Besucher. Die meisten Gemeindeglieder sind Botschaftsangehörige, ihre Familien oder Lehrer und Lehrerinnen der German Swiss International School.
Neben den regelmäßigen Gottesdiensten findet monatlich eine Kinderveranstaltung in den Räumen der German Swiss International School statt, die stets gut besucht ist. Zu verschiedenen biblischen Themen werden Geschichten gespielt und erzählt. Es wird gebastelt und gesungen. Am Rande der Veranstaltung nutzen die Eltern die Gelegenheit zum gemeinsamen Austausch. Leider hat das Angebot eines Gesprächskreises kein großes Interesse gefunden.
Die deutsche Botschaft hatte mich vor einigen Monaten gebeten, deutsche Häftlinge in Nsawam zu besuchen. Leider steht die offizielle Besuchserlaubnis nach mehrmonatigem Warten noch aus. Ich habe in den letzten Tagen den Clerk der PCG um Hilfe gebeten, um den Prozess zu beschleunigen.
Es ist ein wichtiger Lernprozess, dass hier in Ghana vieles unglaublich lange dauert und oftmals viel Geduld und Durchhaltevermögen gebraucht wird.
Über Ostern hatte ich für die deutschsprachigen Familien ein Wochenende in Botianor angeboten. Die Freizeit hat die Kontakte untereinander gefestigt. So hoffe ich, dass sich Veranstaltungen dieser Art wiederholen lassen.
Mitarbeit in einer Gemeinde der PCG Kirchen
Meine Mitarbeit in der lokalen Gemeinde in West Legon (Accra) gestaltet sich überaus schleppend. Ich merke, dass ich nach fast einjähriger Teilnahme nicht wirklich akzeptiert werde. Ab und an kann ich ein Gebet sprechen oder beim Abendmahl mithelfen, aber ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass meine Dienste nicht wirklich erwünscht sind. So trage ich mich mit dem Gedanken, ab Oktober einen neuen Versuch in einer anderen Gemeinde zu wagen, wo ich mich vielleicht mehr willkommen fühle.
Auch negative Erfahrungen und Enttäuschungen gehören schließlich mit zu meiner Arbeit und helfen mir sicher in der Zukunft, mich in Menschen aus anderen Ländern einzufühlen, ihre Ablehnung und Frustration in deutschen Gemeinden besser zu verstehen.
Sonstige Aktivitäten
Den Besuch von Veranstaltungen des Interfaith Centre habe ich als echte Bereicherung meiner Arbeit empfunden. Gebetstreffen und Treffen zum intereligiösen Dialog waren in vieler Hinsicht wichtig für mich. Auch die Kontakte zu den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des EED halfen mir in der Freiwillgenarbeit. In jüngster Zeit gibt es Verbindungen zur Nordelbischen Kirche und dem deutsch-ghanaischen Gesellschaft, die sich beide mit der Reintegration von Ghanaern aus Deutschland bemühen. In Zusammenarbeit mit der PCG versuchen wir, gerade in Hinblick auf Ghanaer, die aus Deutschland abgeschoben werden, ein Netzwerk aufzubauen, um ihnen bei der Wiedereingliederung, in Ghana zu helfen.
Das Fokusprojekt „Giving account of our hope“ habe ich in allen Presbyterien, die ich besucht habe, als auch im General Assembly angekündigt und vorgestellt und verschiedene Gruppen zur Teilnahme eingeladen. Ich hoffe, dass so mehr Kontakte zwischen Gemeinden in Deutschland und Ghana entstehen, und der Dialog über die biblischen Texte geführt wird.
Mit den Jugendlichen des Peaceprojekts hat letztes Jahr ein Workshop stattgefunden. Ich habe einzelne Teilnehmer des Projekts besucht, um mehr über ihre so segensreiche Arbeit zu erfahren. So hoffe ich, dass die Kontakte durch regelmäßige Workshops weiter ausgebaut werden.
Im Kürze wird es ein Treffen mit den anderen ökumenischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen geben. Ich begrüße einen intensiven Austausch auf dieser Ebene, da wir sonst in unserem Alltag zu wenige Möglichkeiten dazu haben.
Zusammenfassung und Ausblick
Zusammenfassend ist anzumerken, dass ich immer stärker als Kontaktperson in der Partnerschaftsarbeit, in Anliegen des EMS, sowie in Hinblick auf die deutsche Gemeinde wahrgenommen werde. Durch meine Doppelfunktion als Pfarrerin der deutschsprachigen Gemeinde und der PCG kann ich oft Brücken bauen, nicht nur was Visafragen angeht. So hat zum Beispiel die deutsche Gemeinde bei ihrem Erntedankfest Geld und Sachen für ein Sozialprojekt der PCG (Flutopfer in der Central Region) gespendet. Gleiche Sprache und Kultur helfen oft beim Brückenbauen zwischen der Botschaft und der PCG.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass der Kontakt zu den Partnerschaftsgruppen weiter gefestigt wird und die Kommunikation zwischen dem ESR Department und den Partnerschaftsgruppen gefestigt wird.
Was meinen Alltag hier in Accra angeht, wünsche ich mir genug Kraft von Gott, mit den Widrigkeiten des täglichen Lebens, wie Wassermangel, Stromausfälle und Verkehrsstaus auch in Zukunft einigermaßen gelassen umgehen zu können.
Im Großen und Ganzen blicke ich auf ein reiches Jahr zurück voller Herausforderungen, aber auch voller Bereicherungen. Vor allen Dingen, was meinen ökumenischen Horizont angeht, aber auch was zwischenmenschliche Begegnungen betrifft, bin ich reich beschenkt worden. Dafür möchte ich Gott und den Menschen, die mich hier in Ghana und in Deutschland begleitet haben, von Herzen danken.
Mail: norina.mutzek@yahoo.de
Postanschrift: c/o General Assembly Office, P.O. Box 1800, Accra, Ghana










