Christentum in Indonesien
Der erste Grundsatz der indonesischen Staatsphilosophie verpflichtet jede Bürgerin und jeden Bürger zum „Glauben an einen allmächtigen Gott", nicht aber zu einem bestimmten Bekenntnis. Somit garantiert die Verfassung die Religionsfreiheit. In den Religionszugehörigkeiten spiegeln sich die wechselnden Einflüsse von außen in der Geschichte des Landes wider: 87 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Islam sunnitischer Richtung, 6,5 Prozent sind Protestanten und Angehörige von Pfingstkirchen und weitere drei Prozent Katholiken. Von den knapp zwei Prozent Hindus leben die meisten auf Bali, ein weiteres Prozent machen Buddhisten und Konfuzianer aus. Die Glaubensvorstellungen und religiösen Bräuche sind in all diesen Konfessionen eng mit den überlieferten Naturreligionen und lokalen Traditionen verzahnt.
Konflikte zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen, wie sie in Indonesien immer wieder aufflammen, lassen sich zumeist nicht auf religiöse Ursachen eingrenzen. Viel eher spielen dabei ethnische und wirtschaftliche Gründe eine Rolle, die in der Kolonialzeit oder der Umsiedlungspolitik der 80er und 90er Jahre ihre Wurzeln haben. Leider werden solche Konflikte häufig für machtpolitische Zwecke zu interreligiösen Auseinandersetzungen umfunktioniert.
Die protestantischen Kirchen sind in der Gemeinschaft der Kirchen in Indonesien (PGI) zusammengeschlossen. Die PGI engagiert sich stark im interreligiösen Dialog und - gemeinsam mit der katholischen Seite und den großen muslimischen Organisationen - dafür, die Religionsfreiheit in Indonesien zu erhalten, die von fundamentalistischen muslimischen Gruppen zunehmend in Frage gestellt wird. Eine weitere große Aufgabe der PGI ist die Förderung der innerindonesischen Ökumene, also der Verständigung und Zusammenarbeit zwischen den vielen protestantischen Kleinkirchen. Dabei geht es auch um die gemeinsame Definition der Rolle der Kirchen in der indonesischen Gesellschaft und um die Frage, wie sie zur Demokratisierung des Landes, zur Wahrung der Menschenrechte und zu sozialer Gerechtigkeit beitragen können.




