Politik und Gesellschaft
Nach fast 350-jähriger kolonialer Herrschaft durch die Niederlande wurde am 17. August 1945 die Unabhängigkeit Indonesiens proklamiert. Die neue Republik war von Beginn an zentralistisch angelegt; Versuche, die vielen Völker und Regionen in einem föderalistischen Staatenbund zu einen, scheiterten. Bis 1999 wurde das Land als Präsidialrepublik regiert. Als Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber des Militärs besaß der jeweilige Präsident weitreichende Vollmachten. Es existieren ein Parlament sowie ein Volkskongress – beide Einrichtungen hatten jedoch lange Zeit eine eher akklamatorische Funktion. Das Militär war in einer Doppelfunktion auch für die innere Sicherheit verantwortlich und übernahm in Außenbereichen des Riesenlandes faktisch die Herrschaft – Willkür und Menschenrechtsverletzungen waren die Folge.
Da Indonesien in den 80er Jahren wirtschaftlich in die Reihe der asiatischen Tigerstaaten aufstieg, formierte sich kaum Widerstand gegen diese Politik. Erst im Zuge der südostasiatischen Wirtschaftskrise, die 1997 auch Indonesien erfasste, bildete sich eine starke Opposition heraus. Nach großangelegten Demonstrationen trat Präsident Suharto im Mai 1998 zurück. Im Juni 1999 fanden die ersten freien Parlamentswahlen seit über 40 Jahren statt, und im Oktober 1999 wurde der erste demokratisch gewählte Präsident in sein Amt eingesetzt. Die indonesischen Regierungen verfolgen seither eine grundsätzliche demokratische Erneuerung der Gesellschaft (Reformasi), wobei sie auf vielfältige Probleme stoßen: Zwischen vielen Volksgruppen und Regionen, die in den letzten Jahrzehnten ausgebeutet und gegeneinander ausgespielt wurden, brechen nun Konflikte offen aus. Ob das Inselreich, dessen Motto "Einheit in der Vielfalt" lautet, zu einem neuen Zusammenhalt findet, muss sich noch erweisen.
Wirtschaft
Bis Mitte der 80er Jahre basierte die indonesische Volkswirtschaft auf der Erdöl- und Erdgasförderung und auf der Landwirtschaft. Dann leiteten Wirtschaftsstrategen eine Kursänderung ein, die die Abhängigkeit des Landes vom Erdölmarkt senken sollte. Es gelang Indonesien, über die verstärkte Förderung anderer Bodenschätze (Kupfer, Bauxit, Kohle, Gold) eine breitere Produktpalette für den Export aufzubauen und sich neue Absatzmärkte zu erschließen. Damit fand das Land Anschluss an asiatische "Wirtschaftswunderländer"; in der Folge traten jedoch auch alle Probleme auf, die Länder mit nachholender Entwicklung kennzeichnen: Die sozialen Gegensätze verschärften sich, das Lohnniveau sank auf ein weltweites Rekordtief, ökologische Probleme spitzten sich zu. Ein besonderes Problem stellt bis heute die Korruption dar, in die besonders die Familie des Expräsidenten Suharto verwickelt ist.
1997 geriet Indonesien in den Sog der südostasiatischen Wirtschaftskrise: Der plötzliche Wertverlust der Rupiah gegenüber dem US-Dollar führte zu einer bis heute anhaltenden Versorgungskrise der Bevölkerung und zu einer dramatischen Verschärfung der Verschuldungssituation. Das vom IWF aufgestellte Maßnahmenpaket zur Überwindung der Krise trifft besonders die Teile der Bevölkerung, die nun ohnehin unter die Armutsgrenze abgesunken sind. Eine Konsolidierung der wirtschaftlichen Situation wird im Moment am meisten durch die Unruhen in vielen Teilen des Landes erschwert. Vor allem die Rückkehr ausländischer Investoren ist erst zu erwarten, wenn Ruhe und Sicherheit als Standortfaktoren wieder gewährleistet werden können.




