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Religionen

Indien ist ein säkularer Staat, der Religionsfreiheit garantiert. Heute sind rund 80 Prozent aller Inder Hindus, 13 Prozent Muslime, 2,4 Prozent Christen (überwiegend Katholiken), 1,1 Prozent Sikhs, 0,7 Prozent Buddhisten, 0,5 Prozent Jains. Nach Indonesien ist Indien der Staat mit der zweitgrößten Moslembevölkerung der Welt. Der Islam verbreitete sich besonders in den Randgebieten des indischen Subkontinents und unter den niedrigkastigen und kastenlosen Hindus. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte er eine eigene, indische Variante, die von starker Beeinflussung durch den Hinduismus gekennzeichnet ist. Zwischen Hindus und Muslimen besteht eine Kluft. Es hat sich der sogenannte "Kommunalismus" entwickelt: "Kommunalismus" wird in Indien die unter religiösem Vorzeichen stattfindende Gemeinschaftsbildung von Muslimen, Hindus oder anderen Gruppen genannt, deren Struktur schließlich zu blutigen Zusammenstößen führt. Seit Ende 1998 gibt es darüber hinaus immer wieder Berichte über Gewalt gegen Christen in mehreren indischen Bundesstaaten.

Christentum
Die indischen Kirchen gehören zu den ältesten der Welt. Seit der Zeit der ersten Konzile sind sie in Indien historisch nachgewiesen. Nach der eigenen Tradition gehen sie sogar auf die Missionstätigkeit des Apostels Thomas zurück. Diese Thomas-Christen sind auch heute eine maßgebliche Gruppe der indischen Christenheit. Einige sind eingegangen in die katholische Kirche oder in die verschiedenen evangelischen Kirchen. Die meisten sind aber in eigenständigen Kirchen organisiert, die heute orthodox genannt werden. Seit der Ankunft der Portugiesen mit Vasco da Gama um 1500 gibt es in Indien auch eine starke katholische Christenheit. Von besonderer Bedeutung waren im 17. Jahrhundert die Versuche der Jesuiten, das Evangelium im indischen Gewand, in den Denkformen der Hindu, zu verkünden. Nach 1700 begann die Zeit der protestantischen Mission mit der Tätigkeit des Deutschen Ziegenbalg, der im Auftrag des Königs von Dänemark in Tranquebar eine erste lutherische Kirche gründete. Um 1800 schließlich bricht die Zeit der modernen Missionsgeschichte an. Vor allem britische Missionsgesellschaften sammeln ihre Gemeinden und bringen die verschiedenen Schattierungen europäischen Kirchentums nach Indien. 1834 kommen auch die ersten Basler Missionare nach Indien. Je selbständiger diese indischen Kirchen wurden, desto mehr wurde die konfessionelle Verschiedenheit als Last empfunden, und eine Einigung auf ökumenischer Basis wurde angestrebt. Die Kirche in Südindien (CSI) ist ein Resultat dieser Einigungsbestrebungen.

Die Kirche in Indien ist zahlenmäßig klein, ihre Mitglieder sind überwiegend Dalits und arme Menschen. Trotz ihrer institutionellen Stärke, die auf die Missionsbewegung zurückgeht, ist sie sozio-politisch und ökonomisch schwach. Die kirchliche Gemeinschaft hat ein Minderheiten-Bewusstsein entwickelt. Die 2,4 Prozent Christen (in Südindien sieben Prozent) leben im Land sehr zerstreut. Trotzdem haben sich im März 1999 in Delhi 500 Kirchenführer aus dem ganzen Land getroffen, um eine gemeinsame Kampagne zu starten: eine "Dekade der Kirchen in Solidarität mit den Armen".

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