Politik und Gesellschaft
Der Libanon in seiner heutigen Form ist ein sehr junger Staat. Nachdem Frankreich infolge des Ersten Weltkriegs 1920 das Völkerbundmandat für Syrien erhält, arbeiten die Maroniten zusammen mit den Franzosen an der Bildung eines Staates, in dem die Christen eine Mehrheit haben. Der Libanon wird so 1926 zur Republik, in der der religiöse Proporz festgelegt wird. 1943 erklärt die neugewählte libanesische Regierung unter Präsident Bishara al Khouri und Ministerpräsident Rijad es-Solh einseitig die Unabhängigkeit von Frankreich. Die französische Verwaltung ließ daraufhin die beiden zusammen mit anderen prominenten Politikern inhaftieren. Der 22. November 1943, Tag ihrer Freilassung, wird bis heute als Unabhängigkeitstag gefeiert. Ende 1946 zogen schließlich die letzten französischen Truppen ab.
Die Staatsgründung erfolgte auf der Basis eines Nationalen Paktes, der die Machtverteilung auf die verschiedenen religiösen Gruppierungen regelte. Dieses System des Konfessionalismus hat sich infolge des Abkommens von Ta'if zwar verändert, gilt aber in seiner Grundstruktur noch heute. Mit dem Abkommen von Ta'if wurde 1990 der Bürgerkrieg, der seit 1975 andauerte, beendet. Das System des Konfessionalismus regelt die Aufteilung der Parlamentssitze so, dass Christen und Muslimen je die Hälfte der Sitze zusteht. Der Staatspräsident, der in seinen Machtbefugnissen seit 1990 stark eingeschränkt wurde, ist nach wie vor ein maronitischer Christ. Der libanesische Ministerpräsident ist ein Sunnit, der Parlamentspräsident ein Schiit.




