"comfort women" - Zwangsprostituierte der japanischen Armee 1933 bis 1945
Von 1910 bis 1945 war die koreanische Halbinsel eine japanische Kolonie. Auch die Mandschurei und Formosa waren unter japanischer Kontrolle. Weitere Expansionswünsche Japans zeigten sich in den chinesisch-japanischen Kriegen. Am 7. Dezember 1941 trat Japan durch die Bombardierung von Pearl Harbour aktiv in das Geschehen des Zweiten Weltkrieges ein. Seine Armee stand in der Folge an Kriegsfronten im gesamten südostasiatischen und pazifischen Raum.
Fast 50 Jahre nach Kriegsende meldeten sich nach entsetztem und beschämtem Schweigen weibliche Opfer der japanischen Kriegsmaschinerie zu Wort. Sie berichteten von systematischen Vergewaltigungen. Bis zu diesen öffentlichen Äußerungen einiger koreanischer Frauen war dieses Thema totgeschwiegen worden. Bis heute scheint es schwierig zu sein, Dokumente zu jenen Vorgängen während der Kriegszeit in japanischen Archiven zu finden. Eine Entschuldigung und den Versuch einer Wiedergutmachung für die betroffenen Frauen durch japanische offizielle Stellen zu erwirken, scheint fast hoffnungslos.
Zwangsprostituierte gab es an den Einsatzorten japanischer Soldaten spätestens seit dem Massaker von Nanjing 1938. Da Frauen in den besetzten Gebieten häufig durch Mitglieder der japanischen Armee vergewaltigt wurden, entstand die Idee, diese gewalttätigen Übergriffe durch eine systematische "Versorgung" der Soldaten mit Prostituierten zu reduzieren. Teilweise wurden vertragliche Abmachungen mit japanischen Prostituierten getroffen. Da sich Geschlechtskrankheiten rasch ausbreiteten und die japanischen Prostituierten zu wenige waren, wurden viele Frauen aus den von Japan besetzten Ländern verschleppt. Vom 23. August 1944 existiert sogar eine offizielle Anweisung des Tennos Hirohito über die Rekrutierung koreanischer Frauen für japanische Bordelle.
Teilweise wurden die Frauen durch falsche Arbeitsverträge als "Wäscherinnen" oder "Köchinnen" angelockt, zum Teil gewaltsam entführt. Häufig waren Schulmädchen betroffen, die zum Teil jünger als 16 Jahre. Zirka 80 Prozent der Frauen kamen aus Korea, aber auch aus China, Taiwan, Philippinen oder Indonesien. Auch im damaligen Niederländisch-Ostindien lebende Holländerinnen wurden zwangsweise missbraucht. Betroffen waren in erster Linie Frauen aus Ländern, die von Japan besetzt waren. Schätzungen gehen davon aus, dass zirka 120.000 Frauen durch irreführende Arbeitsverträge in die Bordelle gelockt und dort eingesperrt wurden. Ungefähr 80.000 Frauen wurden zwangsrekrutiert. Es ist davon auszugehen, dass viele Frauen starben. Wurden sie beim Fluchtversuch gefasst oder mit Geschlechtskrankheiten infiziert, drohte die Ermordung. Ihre Bezahlung erfolgte in japanischer Militärwährung, die nach Kriegsende wertlos war. Ein Großteil der Frauen ging 1945 aus gesellschaftsbedingten Gründen nicht in die Heimat zurück oder wählte den Selbstmord. Im konfuzianisch-strengen Ostasien wurde Vergewaltigung als Schande für die Frau und als Scheidungsgrund betrachtet. Manche kehrten dennoch zurück. Sie versuchten, ihre Namen zu ändern und ihren Lebenslauf zu verheimlichen.
Erste öffentliche Meldungen über diese Verbrechen kursierten ab 1991 in der internationalen Presse. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich drei koreanische Frauen entschlossen, ihr Schweigen zu beenden und die Gräueltaten der Kriegszeit öffentlich vorzutragen. Seitdem haben sich Überlebende aus vielen ost- und südostasiatischen Ländern gemeldet, deren Anklagen vereinzelt durch die Aussagen männlicher japanischer Täter bestätigt wurden. Japanische offizielle Stellen reagierten auf diese Veröffentlichungen zunächst mit der Behauptung, die Bordelle seien damals von privaten Firmen betrieben worden. Militärische Behörden hätten nichts mit jenen Vorgängen zu tun gehabt. Mühsame Suchaktionen verschiedener Interessierter in japanischen Archiven förderten kaum Unterlagen zu den damaligen Vorkommnissen zutage. Immerhin musste inzwischen offiziell die Beteiligung des Militärs am Betrieb der Bordelle zugegeben werden. Die Tatsache der zwangsweisen Verschleppung und Vergewaltigung der Frauen wurde jedoch 1992 bestätigt, angeblich waren zuvor keine Dokumente auffindbar gewesen. Zeugenaussagen allein betrachtete man als ungenügendes Beweismittel. Lange Zeit verharrte die japanische Regierung dann auf der Position, dass eine individuelle Entschädigung der betroffenen Überlebenden nicht in Frage käme, da alle Forderungen bereits durch den bilateralen Friedensvertrag zwischen Japan und Südkorea von 1965 geregelt worden seien.
Die bislang ermittelten Überlebenden aus unterschiedlichen Ländern fordern eine offizielle Entschuldigung und eine Entschädigung von der japanischen Regierung. Offizielle staatliche Stellen dieser Länder hatten sich zunächst mit Forderungen an Japan zurückgehalten. Möglicherweise bestanden Befürchtungen, durch öffentliche Anklage japanische Entwicklungshilfegelder zu verlieren. Dagegen hat sich die koreanische Regierung bereit erklärt, den Opfern sofort eine Entschädigung zu bezahlen. Von Tokio wird eine umfassende Aufklärung jener Kriegsereignisse verlangt. Auch heute, wird von offizieller japanischer Seite nach wie vor jegliche Entschuldigung und jede Entschädigung der Überlebenden abgelehnt. In Japan wurden private Spenden gesammelt, mit dem Ziel, aus diesem Fonds ein "Trostgeld" an die ehemaligen "comfort women" zu bezahlen. Heftige Proteste begleiten diese Initiative, die als Ablenkungsmanöver zu einer tatsächlichen japanischen Entschuldigung betrachtet wird. Frauengruppen haben inzwischen Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag angestrengt, um auf diesem Wege eine offizielle Reaktion der japanischen Regierung zu erzwingen.
Gisela Köllner, EMS-Ostasienreferat




