Politik und Gesellschaft
Mit den ersten freien demokratischen Wahlen am 27. April 1994 ging eine Jahrhunderte lange Geschichte der rassistischen Unterdrückung in Südafrika zu Ende. Die von der burisch geprägten "Nationalen Partei (NP)" im Jahr 1948 eingeführte Apartheidpolitik hatte seit Anfang der 60er Jahre zu immer stärkerem Widerstand in der rechtlosen schwarzen Bevölkerung geführt. Die Regierung versuchte, den Widerstand brutal zu stoppen. Sie unterdrückte demokratische Bewegungen und Parteien wie "African National Congress (ANC)", "Panafricanist Congress (PAC)" und ihre Führer. All die Versuch scheiterten Ende der 80er Jahre endgültig. Anfang 1990 leitete Präsident de Klerk die Wende ein, indem er Nelson Mandela, die Symbolfigur des Widerstands und Führungsperson des ANC, nach 27 Jahren Haft aus dem Gefängnis entließ. Er hob auch den Bann gegen 33 Oppositionsgruppen auf. In zähen Verhandlungen wurde eine Übergangslösung ausgehandelt.
Seit 1994 regiert der ANC mit absoluter Mehrheit. Präsident Mandela setzte zunächst bewusst die Regierung der nationalen Einheit fort und bezog NP und "Inkatha Freedom Party (IFP)" ein. Bei den Wahlen im April 2004 erreichte der ANC unter Präsident Thabo Mbeki erstmals eine Zweidrittelmehrheit.
Seit 1996 verfügt Südafrika über eine der modernsten und liberalsten Verfassungen der Welt. Dennoch ist das Erbe der Apartheid noch lange nicht überwunden. Zwar hat die "Wahrheits- und Versöhnungskommission" einen beispielhaften Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte und Versöhnung geleistet, aber die krasse wirtschaftliche Ungerechtigkeit, Kriminalität und Gewalt prägen weiterhin das Leben. Bisher ist es der Regierung mit ihrer neo-liberalen Wirtschaftspolitik nicht gelungen, die Armut effektiv zu bekämpfen. Das Land hat sich zu einer Wirtschaftsmacht im südlichen Afrika entwickelt, profitiert haben davon aber nur wenige. Statt dessen haben die Arbeitslosigkeit, regional höher als 50 Prozent, und Armut eher zugenommen. Die Landreform hat kaum Fortschritte gemacht. Seit einigen Jahren ist das Land mit einer Aids-Katastrophe konfrontiert: über 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind mit HIV infiziert. Erst Ende 2003 entschloss sich die Regierung unter dem Druck der Zivilgesellschaft, insbesondere der Selbsthilfeorganisation Treatment Action Campaign, mit einem Behandlungskonzept zu reagieren.




