Hintergrund: Migration weltweit
Über 190 Millionen Menschen leben in einem anderen als ihrem Geburtsland. Hinter diesen Zahlen stehen Lebensgeschichten von Frauen und Männern, Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen.
Migranten sind dabei nicht gleich Migranten, Migrantinnen nicht gleich Migrantinnen: sie können als Arbeitsmigranten und -migrantinnen im Ausland leben, als Flüchtlinge vor Krieg, Verfolgung und Gewalt oder Naturkatastrophen geflüchtet sein, als Familienmitglieder mit- oder nachreisen, als Spätaussiedler Aufnahme gefunden haben oder als Saison- oder Werkvertragsarbeiterinnen in einer Pendelmigration leben. Es können Rückkehrende in ihre Heimatländer sein, Menschen, die in der zweiten oder einer späteren Generation im Ausland leben oder Partner und Partnerinnen in bi-nationalen Ehen. Auch Staatenlose, Menschen ohne Aufenthaltspapiere, Arbeitssklavinnen und -sklaven und Opfer von Menschenhandel gehören zum Kontext von Migration.
Von großer Unterschiedlichkeit sind die Rechtspositionen von Menschen mit Migrationshintergrund in den Aufnahmeländern, ihre Zugangsmöglichkeiten zu Bildung, zum Arbeitsmarkt und zu den Sozialsystemen. Sehr unterschiedlich sind damit letztlich ihre Chancen auf Teilhabe und Gleichberechtigung...
Mit der »Brille der Zuwanderung« rücken zunächst die hoch entwickelten Industriestaaten Europas und Nordamerikas ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Blick auf das Verhältnis von Ausländeranteil und Gesamtbevölkerung zeigt aber bereits andere Relationen: hier sind auf den ersten Plätzen die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Jordanien, Israel und Singapur zu finden. In den westlichen Industriestaaten und teilweise auch Japan und Südkorea ist heute aufgrund demografischer Entwicklungen und Fachkräftemangels Zuwanderung von besonderem Interesse. Während für gesuchtes Personal die nationalen Grenzen immer mehr an Bedeutung verlieren, gilt für Armutsflüchtlinge und politisch Verfolgte weithin eine »Politik der geschlossenen Grenzen«....
Mit der »Brille der Abwanderung« rücken Afrika, Asien, Lateinamerika sowie die jeweils aktuellen Krisenherde der Welt ins Blickfeld. Grund vieler Wanderungsprozesse ist das große Gefälle zwischen reichen und armen Ländern, wie es sich besonders auch in Asien zeigt. Während Abwanderung von Fachpersonal für die Zielländer eine Steigerung der Produktivität bedeutet, liegt für die Herkunftsländer die Gefahr darin, kreative und innovative Menschen zu verlieren und zum Beispiel im medizinischen Bereich in schwere Versorgungskrisen zu geraten. Auf der anderen Seite leisten für viele Staaten die Bürgerinnen und Bürger im Ausland enorme Beiträge. 2005 haben Migrantinnen und Migranten 232 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer überwiesen, 167 Milliarden US-Dollar flossen dabei in Entwicklungsländer. Diese Summe ist höher als die weltweiten Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit.
Die »Gender-Brille« untersucht Migration unter geschlechtsspezifischer Perspektive.
Während Migration in den Köpfen meist noch als vorwiegend männlich gilt, sieht die Realität anders aus. Seit den 1980er Jahren ist eine Feminisierung der Migration deutlich beobachtbar, in Südostasien ist der Anteil von Frauen an den Wanderungsbewegungen sogar höher als der der Männer...
(Auszüge aus dem Beitrag von Birgit Dinzinger im ››› Arbeitsheft (pdf) zum EMS-Jahresprojekt 2008 „FrauenLeben in der Fremde“)




